Ladendiebstahl und Inventurdifferenzen bleiben für den stationären Handel ein relevantes Risiko. Die EHI-Studie Inventurdifferenzen 2025 beziffert die Inventurdifferenzen im stationären deutschen Einzelhandel für 2024 auf 4,95 Milliarden Euro; der Schaden durch Kundendiebstahl liegt demnach bei rund 2,95 Milliarden Euro. Auch der HDE spricht für 2024 von einem Schaden durch Ladendiebstahl in neuer Rekordhöhe.
Einzelne Maßnahmen schließen Ladendiebstahl nicht aus. Sie können aber Risiken senken, Abläufe klarer machen, Auffälligkeiten früher sichtbar machen und die Reaktion im Ereignisfall strukturieren. Die folgenden zehn Punkte sind als Präventions- und Organisationscheckliste zu verstehen.
Quellen: EHI-Studie Inventurdifferenzen 2025 und HDE-Meldung zu Ladendiebstahl 2024.
1. Regeln und Hinweise sichtbar machen
Hinweisschilder können Regeln im Verkaufsraum transparent machen, etwa zur Anzeige von Straftaten, zu Videoauswertung oder zu Zutrittsbereichen. Sie ersetzen kein Sicherheitskonzept, können aber Erwartungen klären und Mitarbeitende bei einer einheitlichen Kommunikation unterstützen.
2. Ladenlayout und Sichtachsen planen
Übersichtliche Warenpräsentation, freie Sichtachsen, gut platzierte Kassenbereiche und klare Laufwege können unbemerkte Entnahmen erschweren. Besonders gefährdete Bereiche wie Eingangszone, Umkleide, Regalecken, Aktionsware und kleine hochwertige Artikel sollten regelmäßig geprüft werden.
3. Ausgänge und Übergangszonen bewerten
Ausgänge, Kassenbereiche und Übergangszonen gehören in die Sicherheitsplanung. Kontrollen müssen angemessen, rechtlich zulässig und zum Geschäftskonzept passend sein. Sinnvoll sind klare Meldewege, dokumentierte Beobachtungen und definierte Verantwortlichkeiten.
4. Präsenz im Verkaufsraum organisieren
Präsentes Personal kann Orientierung geben und zugleich die Wahrnehmung im Verkaufsraum verbessern. Entscheidend sind klare Rollen, respektvolle Kundenansprache, interne Eskalationswege und eine Schulung, die Deeskalation und Dokumentation in den Vordergrund stellt.
5. Warensicherung und Technik passend auswählen
RFID, Warensicherung, Kameras, Zutrittskontrolle und Alarmtechnik können Teil eines Sicherheitskonzepts sein. Auswahl und Wirkung hängen von Sortiment, Fläche, Risiko, Datenschutzkonzept und Reaktionswegen ab. Technik sollte daher nicht isoliert, sondern zusammen mit Organisation und Personalprozessen geplant werden.
6. Hochwertige Ware gezielt sichern
Hochwertige oder besonders gefährdete Ware sollte mit geeigneten Präsentations- und Sicherungskonzepten geplant werden. Möglich sind Vitrinen, Thekennähe, Ausgabeprozesse, Warensicherung, Rücklagerung oder eine Kombination mehrerer Maßnahmen.
7. Mitarbeitende schulen
Schulungen sollten Beobachtung, Deeskalation, Dokumentation, interne Meldewege und rechtlich abgestimmte Handlungsanweisungen behandeln. Fragen zu Durchsuchung, Festhalten, Anzeige, Hausrecht oder Datenschutz gehören in verbindliche interne Vorgaben und ersetzen keine rechtliche Beratung.
8. Beobachtung auf Situationen statt Personenmerkmale stützen
Beobachtung sollte sich auf konkrete Verhaltens- und Situationsmuster beziehen, nicht auf pauschale Personenmerkmale. Ziel ist frühe Wahrnehmung, saubere Dokumentation und ein geregelter Eskalationsprozess, ohne diskriminierende Profiling-Anmutung.
9. Interne Inventurdifferenzen sachlich berücksichtigen
Inventurdifferenzen können unterschiedliche Ursachen haben, etwa Kundendiebstahl, interne Entnahmen, Prozessfehler, Bruch, Retouren oder Lieferdifferenzen. Geeignet sind Vier-Augen-Prinzipien, Warenbewegungsdokumentation, klare Verantwortlichkeiten, regelmäßige Inventurprüfung und rechtlich zulässige Kontrollprozesse.
10. Alarm- und Videotechnik in Reaktionswege einbinden
Alarm- und Videotechnik kann ein Sicherheitskonzept unterstützen, etwa durch Dokumentation, Ereignisprüfung, Alarmierung und Nachvollziehbarkeit. Einrichtung, Beschilderung, Zweckbindung, Speicherfristen, Zugriffsrechte und Datenschutz müssen vorab geklärt werden. Eine Aufschaltung auf eine Notruf- und Serviceleitstelle kann helfen, Alarmmeldungen nach einem vereinbarten Maßnahmenplan zu bearbeiten.
Für Handelsflächen entsteht der größte Nutzen, wenn Ladenlayout, Personalprozesse, Warensicherung, Dokumentation, Datenschutz und Alarmbearbeitung zusammen geplant werden. So entsteht kein Erfolgsversprechen, sondern ein belastbares Vorgehen zur Risikoreduktion und zur strukturierten Reaktion im Ereignisfall.

















