Alle paar Minuten wird in Deutschland eingebrochen – allein die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 verzeichnet 78.436 Fälle von Wohnungseinbruchdiebstahl mit einer Schadenssumme von rund 340 Millionen Euro.[1] Gleichzeitig setzt die Branche für elektronische Sicherheitstechnik jährlich Milliarden um. Da liegt die Vermutung nahe, dass die meisten Häuser und Wohnungen längst gut gesichert sind. Ein genauer Blick auf die verfügbaren Zahlen zeigt jedoch ein anderes Bild: Der Markt ist umsatzseitig etabliert, aber objektseitig weit von einer flächendeckenden Absicherung entfernt.
Dieser Beitrag fasst zusammen, was Statistiken von ZVEI, BHE, Destatis und VdS über die tatsächliche Verbreitung von Alarmanlagen und Sicherheitstechnik in Deutschland aussagen – und wo die größten Schutzlücken bestehen.
Marktvolumen: 5,74 Milliarden Euro Umsatz mit elektronischer Sicherheitstechnik
Der Markt für elektronische Sicherheitstechnik in Deutschland wächst seit Jahren stabil. Nach Angaben des ZVEI-Fachverbands Sicherheit und des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e.V. stieg der Umsatz 2025 um 3,9 Prozent auf 5,74 Milliarden Euro – nach rund 5,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 und gut 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2023.[2][3]
Die Verteilung auf die einzelnen Gewerke im Jahr 2025:[2]
| Gewerk | Umsatz 2025 | Entwicklung |
|---|---|---|
| Brandmeldetechnik | 2,70 Mrd. € | +3,9 % |
| Überfall- und Einbruchmeldeanlagen | 942 Mio. € | +2,4 % |
| Videosicherheitstechnik | 870 Mio. € | +6,1 % |
| Zutrittssteuerungssysteme | 541 Mio. € | +6,1 % |
| Sprachalarmanlagen | 143 Mio. € | +3,8 % |
Auffällig ist: Fast die Hälfte des Gesamtumsatzes entfällt auf Brandmeldetechnik – ein Bereich, der in vielen Gebäudekategorien gesetzlich vorgeschrieben ist. Der Branchenumsatz darf deshalb nicht mit der freiwilligen Nachfrage nach Einbruchschutz gleichgesetzt werden. Die für den Schutz vor Einbruch relevanten Segmente – Einbruchmeldetechnik, Videosicherheit und Zutrittskontrolle – summieren sich auf rund 2,35 Milliarden Euro. Das stärkste Wachstum verzeichnen dabei Videosicherheit und Zutrittssteuerung mit jeweils über sechs Prozent, während klassische Einbruchmeldeanlagen unter dem Marktdurchschnitt zulegen.[2]
Als aktuelle Wachstumstreiber nennen die Verbände unter anderem den Ausbau von Rechenzentren, während die weiterhin schwache Baukonjunktur das Projektgeschäft bremst.[2]
Wie viele Haushalte in Deutschland haben eine Alarmanlage?
Das ist die entscheidende Frage – und die ehrliche Antwort lautet: Eine exakte amtliche Quote für professionell installierte Einbruchmeldeanlagen existiert nicht. Es gibt jedoch mehrere belastbare Anhaltspunkte, die sich zu einem klaren Gesamtbild fügen.
Die amtliche Zahl
Das Statistische Bundesamt (Destatis) ermittelte Anfang 2022, dass knapp 10 Prozent der Haushalte – rund 3,6 Millionen – über ein „intelligentes Sicherheitssystem“ verfügten.[4] Wichtig zur Einordnung: In diese Kategorie fielen smarte Alarmanlagen ebenso wie vernetzte Rauchmelder oder einzelne WLAN-Überwachungskameras. Bereits ein einziges internetfähiges Gerät genügte für die Zuordnung. Die 10 Prozent beschreiben also technische Offenheit, nicht professionellen Einbruchschutz.
Branchenschätzungen
Der Verband der Sachversicherer (VdS) bezifferte den Anteil der Haushalte mit Alarmsystem auf etwa 8 Prozent.[5] Ältere repräsentative Umfragen aus den Jahren 2016/2017 kamen sogar nur auf rund 4 Prozent.[6] Diese Werte sind methodisch schwächer als die Destatis-Erhebung, deuten aber übereinstimmend auf eine niedrige Grundausstattung hin.
Die Aufschaltungslücke
Für Anlagen mit Anbindung an eine zertifizierte Notruf- und Serviceleitstelle (NSL) gibt es keine bundesweite Bestandsstatistik. Auf Basis der verfügbaren Daten lässt sich die Verbreitung jedoch plausibel eingrenzen:
| Ausstattungsstufe | Geschätzte Verbreitung* |
|---|---|
| Mindestens ein smartes Sicherheitsgerät | ca. 10–15 % |
| Klassische oder professionelle Alarmanlage | ca. 5–10 % |
| Fachgerecht geplante und installierte Anlage | ca. 3–7 % |
| Anlage mit professioneller Leitstellenaufschaltung | ca. 1–4 % |
*Modellrechnung auf Basis von Destatis-, VdS- und Verbandsdaten; keine amtlich erhobenen Quoten.
Bei rund 41,1 Millionen Privathaushalten in Deutschland[7] entspräche selbst eine Aufschaltungsquote von 4 Prozent nur etwa 1,6 Millionen Haushalten. Im Umkehrschluss: Voraussichtlich deutlich über 90 Prozent der Haushalte verfügen über keinen professionell überwachten Einbruchschutz.
Zum internationalen Vergleich: In Ländern wie Großbritannien und den USA liegt die Verbreitung von Alarmanlagen Schätzungen zufolge bei 25 bis 40 Prozent der Haushalte – Deutschland bewegt sich damit im europäischen und internationalen Vergleich am unteren Ende.[6]
Der eigentliche Zielmarkt: 16,2 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser
Nicht jede Wohnung ist ein sinnvoller Standort für eine eigene Alarmanlage. Der Kernmarkt für individuellen Einbruchschutz besteht vor allem aus selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern. Davon gibt es in Deutschland rund 16,2 Millionen – 13,5 Millionen Einfamilien- und 2,7 Millionen Zweifamilienhäuser bei insgesamt rund 43,8 Millionen Wohnungen.[8]
Unterstellt man in diesem Segment eine professionelle Absicherungsquote von 5 bis 10 Prozent, wären rechnerisch nur 0,8 bis 1,6 Millionen dieser Gebäude entsprechend geschützt – und 14,6 bis 15,4 Millionen nicht. Auch diese Rechnung ist eine Modellierung, da die Ausstattung nach Gebäudetyp nicht amtlich erfasst wird. Sie verdeutlicht aber die Größenordnung der Schutzlücke.
Gerät ist nicht gleich Schutz: die fünf Stufen der Sicherheit
Ein zentraler Punkt wird in der öffentlichen Diskussion oft übersehen: Eine installierte Kamera oder ein Bewegungsmelder bedeutet noch keinen wirksamen Einbruchschutz. Sinnvoll ist die Unterscheidung von fünf Ausbaustufen:
- Einzelgerät – etwa eine WLAN-Kamera oder ein einzelner Sensor
- Lokales Alarmsystem – mit Sirene, aber ohne Reaktion von außen
- Fachgerecht geplante Einbruchmeldeanlage – nach anerkannten Normen und Richtlinien projektiert
- Anlage mit redundanter Übertragung und regelmäßiger Wartung
- Anlage mit 24/7-Leitstellenaufschaltung – inklusive Alarmvorprüfung und organisierter Intervention
Auf den Stufen eins und zwei ist der Markt inzwischen breit erschlossen: Über 40 Prozent der Haushalte nutzen mittlerweile mindestens ein Smart-Home-Gerät.[9] Auf den Stufen vier und fünf ist die Abdeckung dagegen gering. Genau hier entscheidet sich jedoch der Nutzen im Ernstfall – denn eine Push-Nachricht auf dem Smartphone nützt wenig, wenn niemand darauf reagieren kann. Der eigentliche Mehrwert liegt nicht im Erkennen eines Ereignisses, sondern in der verlässlichen, professionellen Reaktion darauf.
Dass sichtbare und funktionierende Sicherheitstechnik wirkt, belegt die Kriminalstatistik: In rund 38,5 Prozent der Fälle brachen Täter ihr Vorhaben ab, wenn Sicherheitstechnik erkennbar vorhanden war.[10] Ein erheblicher Teil aller Einbrüche bleibt zudem im Versuchsstadium stecken – häufig, weil Sicherungstechnik den schnellen Zugriff verhindert.
Gewerbliche Sicherheitstechnik: große Unterschiede je nach Branche
Für Unternehmen existiert keine bundesweite Statistik nach dem Muster „x Prozent aller Betriebe haben eine Alarmanlage“. Das liegt daran, dass Sicherheitstechnik objektbezogen installiert wird, häufig vom Gebäudeeigentümer betrieben wird und oft auf Versicherungsauflagen zurückgeht. Die Marktdurchdringung unterscheidet sich stark nach Segment:
- Nahezu vollständig ausgestattet: Großunternehmen, Banken, Juweliere, Rechenzentren und kritische Infrastrukturen. Hier dominiert das Modernisierungsgeschäft.
- Mittlere Abdeckung: Filialhandel, Apotheken, Tankstellen, Industrie und größere Logistik – meist mit Video, aber nicht durchgängig mit professioneller Alarmbearbeitung.
- Deutliche Lücken: Handwerksbetriebe, Kfz-Werkstätten, kleiner Einzelhandel, Gastronomie, Praxen und Kanzleien. Hier fehlen häufig Leitstellenanbindung, definierte Eskalationswege, regelmäßige Wartung und die Kontrolle von Scharf- und Unscharfschaltzeiten.
Bemerkenswert ist die Entwicklung im Videobereich: Viele Unternehmen installieren Kameras primär zur nachträglichen Beweissicherung. Die größere Wirkung entsteht jedoch durch Videoverifikation in Echtzeit, KI-gestützte Ereigniserkennung und direkte Täteransprache – also dort, wo Technik und Leitstelle zusammenspielen. Mehr dazu im Überblick zur Sicherheit für Gewerbe.
Warum ist die Verbreitung in Deutschland so niedrig?
Mehrere Faktoren bremsen die Marktdurchdringung:
- Kosten und Komplexität: Professionelle Anlagen erforderten traditionell hohe Anfangsinvestitionen. Miet- und Servicemodelle senken diese Hürde zunehmend.
- Unterschätztes Risiko: Nach Jahren sinkender Einbruchzahlen steigt die Fallzahl seit 2022 wieder an[1] – das Risikobewusstsein hinkt dieser Entwicklung vielerorts hinterher.
- Schwache Baukonjunktur: Das Neubaugeschäft stagniert; Wachstum verlagert sich in die Nachrüstung von Bestandsgebäuden.[2]
- Fachkräftemangel: Auf allen Wertschöpfungsstufen fehlen qualifizierte Kräfte, was Projekte verlangsamt.
- Datenschutz: Insbesondere bei Videoüberwachung bestehen DSGVO-bedingte Anforderungen, die eine fachkundige Planung erfordern.
Auf der anderen Seite stehen starke Treiber: wieder steigende Einbruchzahlen, staatliche Förderung von Einbruchschutzmaßnahmen (etwa über die KfW)[11], die wachsende Smart-Home-Basis als Anknüpfungspunkt sowie technologische Fortschritte bei KI-Videoanalyse und vernetzten Systemen.
Fazit: Milliardenmarkt mit über 90 Prozent Schutzlücke
Die Zahlen zeichnen ein eindeutiges Bild: Der deutsche Markt für Sicherheitstechnik setzt jährlich 5,74 Milliarden Euro um und wächst stabil – doch gemessen an der tatsächlichen Absicherung von Privathaushalten und kleinen Unternehmen ist er gering erschlossen. Voraussichtlich weniger als 5 Prozent der Privathaushalte verfügen über professionell aufgeschalteten Einbruchschutz. Millionen Haushalte besitzen zwar bereits smarte Einzelgeräte, aber keine organisierte Reaktion im Ernstfall.
Die wichtigste Erkenntnis für Eigentümer und Unternehmer: Entscheidend ist nicht, ob ein Gerät einen Einbruch erkennt – sondern ob jemand verlässlich darauf reagiert. Eine Einbruchmeldeanlage mit Aufschaltung auf eine zertifizierte 24/7-Notruf- und Serviceleitstelle schließt genau diese Lücke: Alarme werden rund um die Uhr geprüft, Fehlalarme herausgefiltert und im Ernstfall Interventionskräfte oder Polizei koordiniert.
Wer prüfen möchte, wie gut das eigene Zuhause oder der eigene Betrieb tatsächlich geschützt ist – auch mit bereits vorhandener Technik –, findet bei Stadtritter eine kostenlose und unverbindliche Sicherheitsberatung. Bestehende Anlagen vieler gängiger Hersteller lassen sich in vielen Fällen auf die VdS-zertifizierte Leitstelle aufschalten, ohne dass eine Neuanschaffung erforderlich ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele Haushalte in Deutschland haben eine Alarmanlage?
Laut Statistischem Bundesamt verfügten Anfang 2022 knapp 10 Prozent der Haushalte über ein intelligentes Sicherheitssystem – darin sind allerdings auch einzelne Kameras und vernetzte Rauchmelder enthalten. Der Anteil klassischer Alarmanlagen wird auf etwa 5 bis 10 Prozent geschätzt, professionell auf eine Leitstelle aufgeschaltete Anlagen dürften nur 1 bis 4 Prozent der Haushalte ausmachen.
Wie groß ist der Markt für Sicherheitstechnik in Deutschland?
Der Umsatz mit elektronischer Sicherheitstechnik lag 2025 bei 5,74 Milliarden Euro (+3,9 % gegenüber dem Vorjahr). Größtes Segment ist die Brandmeldetechnik mit 2,7 Milliarden Euro, gefolgt von Einbruchmeldetechnik, Videosicherheit und Zutrittskontrolle.
Was bringt eine Alarmanlage gegen Einbruch wirklich?
Analysen zur Kriminalstatistik zeigen, dass Täter in rund 38,5 Prozent der Fälle abbrechen, wenn Sicherheitstechnik sichtbar vorhanden ist. Ein großer Teil der Einbrüche scheitert bereits im Versuchsstadium. Den größten Effekt erzielen Anlagen mit Leitstellenaufschaltung, weil im Alarmfall eine sofortige, geprüfte Reaktion erfolgt.
Was ist der Unterschied zwischen einer smarten Kamera und einer aufgeschalteten Alarmanlage?
Eine smarte Kamera sendet Benachrichtigungen aufs Smartphone – die Reaktion bleibt dem Nutzer überlassen. Eine aufgeschaltete Einbruchmeldeanlage meldet Alarme an eine ständig besetzte Notruf- und Serviceleitstelle, die den Alarm prüft und Interventionskräfte oder die Polizei alarmiert – auch nachts, im Urlaub oder wenn das Smartphone stumm ist.
Kann eine vorhandene Alarmanlage nachträglich auf eine Leitstelle aufgeschaltet werden?
In vielen Fällen ja. Anlagen gängiger Hersteller lassen sich häufig ohne kompletten Austausch an eine zertifizierte Leitstelle anbinden. Ob das im Einzelfall möglich ist, klärt eine fachliche Prüfung der vorhandenen Technik.
Quellen
- Bundeskriminalamt: Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2024 – Wohnungseinbruchdiebstahl: 78.436 Fälle, Schadenssumme rund 340,6 Mio. Euro.
- ZVEI e.V. / BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e.V.: Marktzahlen elektronische Sicherheitstechnik 2025 – Gesamtumsatz 5,74 Mrd. € (+3,9 %); Brandmeldetechnik 2,7 Mrd. € (+3,9 %); Überfall- und Einbruchmeldeanlagen 942 Mio. € (+2,4 %); Videosicherheit 870 Mio. € (+6,1 %); Zutrittssteuerung 541 Mio. € (+6,1 %); Sprachalarmanlagen 143 Mio. € (+3,8 %).
- ZVEI e.V. / BHE: Marktzahlen 2024 – Gesamtumsatz gut 5,5 Mrd. € (+3,4 %).
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Ausstattung privater Haushalte mit smarten Geräten, Erhebung Anfang 2022 – rund 3,6 Mio. Haushalte (knapp 10 %) mit intelligentem Sicherheitssystem (inkl. vernetzter Rauchmelder und Überwachungskameras).
- VdS Schadenverhütung / Verband der Sachversicherer: Umfrage zur Verbreitung von Alarmanlagen – rund 8 % der Haushalte.
- TNS Emnid im Auftrag von reichelt elektronik: Repräsentative Umfrage (n = 1.003), 2016 – 4 % der Befragten mit Alarmanlage. Internationale Vergleichswerte (UK/USA ca. 25–40 %) basieren auf Branchenschätzungen und sind als Größenordnung zu verstehen.
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Anzahl der Privathaushalte in Deutschland, rund 41,1 Mio. (2025).
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Gebäude- und Wohnungsbestand, Stand Ende 2024 – rund 43,8 Mio. Wohnungen; 13,5 Mio. Einfamilien- und 2,7 Mio. Zweifamilienhäuser.
- Statista Consumer/Market Insights: Smart-Home-Nutzung in Deutschland – über 40 % der Haushalte mit mindestens einem Smart-Home-Gerät (2025).
- Auswertung zur PKS 2024: In rund 38,5 % der Fälle Abbruch des Einbruchversuchs bei sichtbar vorhandener Sicherheitstechnik.
- KfW Bankengruppe: Förderprogramme für Einbruchschutzmaßnahmen (Zuschüsse für einbruchhemmende Türen, Fenster und Einbruchmeldeanlagen). Konditionen und Verfügbarkeit sind vor Antragstellung aktuell zu prüfen.
Hinweis: Als Modellrechnung oder Schätzung gekennzeichnete Werte sind keine amtlich erhobenen Quoten. Eine exakte bundesweite Marktabdeckungsquote für professionelle Einbruchmeldeanlagen wird derzeit von keiner Behörde und keinem Verband veröffentlicht.

















