Zuletzt aktualisiert: April 2026 | Autor: Stadtritter GmbH, Betreiber einer VdS-zertifizierten Notruf- und Serviceleitstelle, seit 2013 aktiv
Mehrfamilienhäuser sind ein Stück Gemeinschaft und ein Einbruchsziel zugleich. Eine moderne Zutrittskontrolle bietet Komfort und Sicherheit. Dieser Beitrag zeigt die Optionen, von der klassischen Gegensprechanlage bis zur vollständigen RFID-Lösung.
Das Wichtigste in 30 Sekunden:
– Gegensprechanlage: Standardlösung, heute oft mit Video
– RFID-Karten: ersetzen klassische Schlüssel
– App-Zugang: praktikabel, aber nicht alleinige Lösung
– DSGVO-Fragen bei Kamera und Protokollen
– Integration mit Alarmanlage und Leitstelle sinnvoll
Die Grundfrage: Wer darf wann wohin?
Ein gutes MFH-Zutrittskonzept unterscheidet:
- Hauseingang (Fremde nur mit Kontakt zum Bewohner)
- Etagen-/Wohnungstür (Bewohner plus ggf. Serviceanbieter)
- Gemeinschaftsbereiche (Keller, Waschküche, Müllraum)
- Tiefgarage (Bewohner plus Gäste mit Code)
Option 1: Gegensprechanlage
Audio-Sprechanlage
Klassisches Klingelbrett mit Sprechstelle. Günstig, Wartung minimal.
Kosten: 80 bis 200 € pro Wohneinheit.
Video-Sprechanlage
Kamera am Hauseingang, Display in der Wohnung. Vorteil: Besucher vor dem Öffnen sehen.
Kosten: 150 bis 500 € pro Wohneinheit. Im Neubau günstiger integrierbar.
Moderne Features:
– Aufnahme von “verpassten” Besuchen (DSGVO-sensibel!)
– Weiterleitung per App
– Kombination mit Briefkastenanlage
Option 2: RFID / Transponder
Schließkarten
Jeder Bewohner hat 1 bis 2 Karten für alle Türen seiner Zuständigkeit.
– Verlust? Sofortige Sperrung, neue Karte programmieren
– Berechtigungen gestuft (Bewohner, Reinigungskraft, Handwerker)
– Zeitbasierte Freischaltung möglich
Transponder-Chips
Wie Karten, in kleinem Format (Schlüsselbund).
Kosten: 5 bis 25 € pro Transponder, Zentrale ab 2.000 €.
Option 3: App-Zugang
Smartphone öffnet per Bluetooth oder NFC. Bequem, aber:
– Handy-Akku leer: kein Zugang
– Smartphone-Defekt: Ausweich-Zugang notwendig
– Sicherheit: 2FA und regelmäßige Updates
Empfehlung: App als Komfortzugang zusätzlich zu RFID-Karte, nicht als Alleinstellung.
Option 4: Fingerprint / Biometrie
Haustürschlösser mit Fingerabdruck. Gängig bei Eigenheimen, seltener MFH.
Grenzen: Biometrie unterliegt strenger DSGVO (Einwilligung, besondere Kategorie personenbezogener Daten). Bei MFH praktisch schwer durchsetzbar.
Option 5: Code-Tastatur
Pin-Code am Eingang. Günstig, aber Code-Weitergabe schwer kontrollierbar.
DSGVO bei Zutrittskontrolle
Video am Hauseingang
Grundsätzlich DSGVO-relevant. Zulässig mit:
– Schild “Videoüberwachung
– Information aller Mieter (Mietvertragsanlage)
– Speicherdauer max. 72h (außer Vorfall)
– Keine Aufnahme öffentlichen Raums
Details im Fachartikel Videoüberwachung DSGVO.
Protokolldaten
Wer wann welche Tür geöffnet hat:
– Zweckbindung dokumentieren (Sicherheit, Audit)
– Speicherdauer max. 6 Monate
– Zugriff nur bestimmten Personen
– DSGVO-Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) empfehlenswert
Betriebsrat bei gewerblichen Teilen
Wenn das MFH auch gewerbliche Einheiten hat: §87 BetrVG bei elektronischer Zutrittskontrolle.
Integration mit Alarmanlage
Die Stadtritter One lässt sich mit Zutrittskontrolle kombinieren:
– Bewohner deaktiviert Alarm automatisch beim Betreten
– Unscharf-Schaltung protokolliert
– Gemeinschaftsbereiche separat gesichert
Bei Verdachtsfällen (mehrmalige ungewöhnliche Öffnungen nachts) meldet das System an die Leitstelle.
Neubau vs. Bestand
Neubau
- Leerrohre und Netzwerkstruktur planen
- IP-basierte Sprechanlage vorsehen
- Zusammen mit dem Elektriker abgestimmt
Bestand
- Funk-Sprechanlagen nachrüstbar
- Tür-Zylinder elektronisch ersetzbar ohne Baumaßnahmen
- WLAN-Abdeckung prüfen (ggf. Access Points nachrüsten)
Kosten-Beispiel MFH 12 WE
| Position | Kosten |
|---|---|
| Video-Sprechanlage 12 WE | 5.000 bis 9.000 € |
| RFID-System Haupttür + Tiefgarage + Gemeinschaft | 3.500 bis 6.000 € |
| Transponder (36 Stück) | 300 bis 900 € |
| Programmier-Software | 1.000 bis 2.500 € |
| Installation | 2.500 bis 5.000 € |
| Gesamt | 12.300 bis 23.400 € |
Umlage auf WEG bzw. Mieter regelt §2 BetrKV oder separater Vereinbarung.
Wartung
- Jährliche Funktionsprüfung
- Transponder-Bestand prüfen
- Software-Updates einspielen
- Protokolle auf DSGVO-Compliance prüfen
Stadtritter-Angebot für MFH
- Beratung und Konzept
- Installation durch zertifizierte Partner
- Leitstellenaufschaltung kombiniert mit Alarmanlage
- Kundenportal für Hausverwaltung
- Wartungsverträge
Sie verwalten ein MFH? Stadtritter-Objektanalyse, kostenfrei, das Konzept wird individuell erstellt.
Häufig gestellte Fragen
Brauchen wir wirklich eine Video-Sprechanlage?
Empfohlen, auch aus Versicherungsgründen. Pflicht: keine, empfehlenswert: ja.
Dürfen wir jede Tür-Öffnung protokollieren?
Mit Information und Zweckbindung ja, bei Mieterbeanstandung Einzelfall.
Wer bezahlt den RFID-Verlust?
Meist der Mieter (Haftungsregelung in der Hausordnung).
Sind App-basierte Zugänge für ältere Bewohner geeignet?
Nicht alleine. RFID-Karten oder physische Schlüssel als Alternative anbieten.
Lohnt sich die Modernisierung wirtschaftlich?
Bei steigender Vermietbarkeit und reduziertem Zylinderwechsel-Aufwand meist ja.
Ist Biometrie möglich?
Ja, aber DSGVO-aufwändig. Für MFH praktisch kaum empfehlenswert.
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