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Wo wird am meisten eingebrochen? Deutschland-Analyse PKS 2024

Einbruchstatistik Deutschland 2024

Update: Die neue Auswertung zur Einbruchstatistik Deutschland 2025 (PKS 2025) ist jetzt online: bundesweit 82.920 Wohnungseinbrüche (+5,7 %). Die folgende Analyse dokumentiert den Vorjahres-Rückblick auf 2024.

Das Bundeskriminalamt hat die Zahlen veröffentlicht: 78.436 Wohnungseinbrüche wurden 2024 in Deutschland registriert. Das sind rund 600 mehr als im Vorjahr, der dritte Anstieg in Folge nach dem historischen Tiefstand 2021. Doch hinter der bundesweiten Gesamtzahl verbergen sich extreme regionale Unterschiede: Zwischen dem einbruchsreichsten und dem sichersten Landkreis liegt ein Faktor von fast 50.

Diese Analyse wertet die Rohdaten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS 2024) für alle 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte aus. Wir erklären, welche Regionen besonders betroffen sind, warum die Aufklärungsquote erschreckend niedrig ist und was die Daten über den Zusammenhang zwischen Stadtstruktur und Einbruchrisiko verraten.

Zwischen dem einbruchsreichsten und dem sichersten Landkreis liegt ein Faktor von fast 50.

Der Trend: Drei Jahre Anstieg in Folge

Wer die Schlagzeilen der letzten Jahre verfolgt hat, kennt die gute Nachricht: Nach dem Rekordtief von 2021 mit nur 54.236 Einbrüchen schien das Problem beherrschbar. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass dieser Tiefstand vor allem der Corona-Pandemie geschuldet war, und der Effekt ist längst verpufft.

JahrWohnungseinbrücheVeränderungBesonderheit
2015167.136–Höchststand der letzten Dekade
201987.145−47,8 % ggü. 2015Vor Corona
202075.023−13,9 %Erster Lockdown
202154.236−27,7 %Historischer Tiefstand
202265.908+21,5 %Erster Anstieg nach Pandemie
202377.819+18,1 %Zweiter Anstieg
202478.436+0,8 %Dritter Anstieg in Folge

Der Corona-Effekt erklärt sich einfach: Wenn Häuser und Wohnungen tagsüber bewohnt sind, wird Einbruch riskanter. 2020 und 2021 waren durch ausgedehnte Homeoffice-Phasen und Lockdowns geprägt, ideale Bedingungen für niedrige Einbruchszahlen. Mit der Normalisierung des Alltags ab 2022 kehrt auch das Einbruchgeschehen auf frühere Muster zurück.

Trotz des dreijährigen Anstiegs: Das Niveau von 2015, damals über 167.000 Fälle, wird aktuell nicht annähernd erreicht. Die langfristige Entwicklung ist also nach wie vor positiv. Aber die Richtung stimmt bedenklich.

Das Ruhrgebiet als Einbruchs-Hotspot Nummer eins

Die Häufigkeitszahl (HZ), also die Einbrüche pro 100.000 Einwohner, ist die entscheidende Kennzahl für regionalen Vergleich. Und sie zeigt ein klares Bild: Das Ruhrgebiet dominiert die Statistik nahezu vollständig.

Wohnungseinbruchdiebstahl: zehn höchste Kreis-HZ, PKS 2024
Rang Kreis / kreisfreie Stadt Bundesland Fälle 2024 HZ je 100.000 Einwohner
1 Kreisfreie Stadt Mülheim an der Ruhr Nordrhein-Westfalen 562 325,1
2 Kreisfreie Stadt Bremerhaven Bremen 359 303,4
3 Kreisfreie Stadt Köln Nordrhein-Westfalen 3.039 296,7
4 Kreisfreie Stadt Essen Nordrhein-Westfalen 1.573 274,0
5 Kreisfreie Stadt Herne Nordrhein-Westfalen 393 251,7
6 Kreisfreie Stadt Gelsenkirchen Nordrhein-Westfalen 666 249,2
7 Kreisfreie Stadt Bochum Nordrhein-Westfalen 870 243,7
8 Kreisfreie Stadt Berlin Berlin 8.529 232,9
9 Kreisfreie Stadt Düsseldorf Nordrhein-Westfalen 1.428 231,7
10 Kreisfreie Stadt Duisburg Nordrhein-Westfalen 1.128 224,2

Quelle: BKA, PKS 2024, KR-F-01-T01; Deliktschlüssel 435*00. HZ auf eine Nachkommastelle gerundet. Die HZ zählt Fälle, nicht betroffene Personen.

Acht der zehn Kreise und kreisfreien Städte mit der höchsten Einbruchs-HZ liegen 2024 in Nordrhein-Westfalen, sechs davon im Ruhrgebiet. Mülheim an der Ruhr führt mit 562 Fällen und einer HZ von 325,1 die Liste an. Die HZ zählt registrierte Fälle je 100.000 Einwohner, nicht betroffene Personen.

Was erklärt die regionalen Unterschiede?

Die PKS beschreibt registrierte Straftaten, untersucht aber nicht die Ursachen der Unterschiede zwischen einzelnen Kreisen. Aus dieser Rangliste allein lassen sich daher keine Aussagen über den Einfluss von Arbeitslosigkeit, Straßenanbindung oder Grenznähe ableiten.

Bayern als sicherstes Bundesland: warum?

Das Gegenbild zum Ruhrgebiet findet sich fast ausschließlich in Bayern. Die fünf Kreise mit den bundesweit niedrigsten Einbruchsraten sind allesamt bayerisch, und die Unterschiede sind dramatisch.

Höchste Einbruchsrate (Mülheim/Ruhr)

HZ: 325,1
562 Fälle
Verdoppelt der Bundesdurchschnitt
Innerstädtische Ruhrgebietsstadt

Niedrigste Einbruchsrate (Kaufbeuren)

HZ: 6,5
Nur 3 Fälle
50× niedriger als Mülheim
Mittelstadt im Allgäu

Kaufbeuren, Oberallgäu, Ostallgäu, Straubing-Bogen, Bad Tölz-Wolfratshausen, alle unter HZ 11. Der Bundesdurchschnitt lag 2024 bei einer Häufigkeitszahl von 94,0. Das bedeutet: In diesen Kreisen ist das Einbruchrisiko etwa 10-mal niedriger als im Bundesdurchschnitt.

Einordnung niedriger Fallzahlen: Die PKS beschreibt registrierte Taten, belegt aber keine kürzeren Polizeireaktionszeiten oder anderen Ursachen niedriger Kreiswerte. Kleine Fallzahlen können die HZ bereits durch einzelne zusätzliche Taten merklich verändern.

Tageswohnungseinbruch: Das unterschätzte Risiko

Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf den Tageswohnungseinbruch, also Einbrüche, die tagsüber stattfinden, wenn Bewohner eigentlich nicht zuhause sind. Von den 78.436 Wohnungseinbrüchen 2024 wurden 29.373 als Tageswohnungseinbrüche erfasst. Das entspricht rund 37,4 Prozent aller Wohnungseinbrüche.

Rund 37,4 % aller Wohnungseinbrüche wurden 2024 als Tageswohnungseinbrüche erfasst.

Der Tageswohnungseinbruch ist für Hauseigentümer besonders relevant, weil er durch sichtbare Sicherheitssignale, Bewegungsmelder, Alarmanlagen, Rollläden mit Zeitschaltung, besser abzuschrecken ist als nächtliche Einbrüche. Gerade in Hochrisikogebieten wie Essen (HZ 148), Mülheim (HZ 140) oder Bochum (HZ 129) macht der Tageswohnungseinbruch einen erheblichen Anteil des lokalen Einbruchgeschehens aus.

Aufklärungsquote: Nur 15 von 100 Einbrüchen werden gelöst

Die vielleicht ernüchterndste Zahl der PKS 2024 betrifft die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen: Lediglich 15,3 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt, und beim Tageswohnungseinbruch beträgt die Quote 16,9 Prozent.

Bundesweite Aufklärungsquoten, PKS 2024
Delikt Aufklärungsquote 2024
Straftaten insgesamt 58,0 %
Gewaltkriminalität 77,2 %
Sachbeschädigung 24,5 %
Wohnungseinbruchdiebstahl 15,3 %
Tageswohnungseinbruchdiebstahl 16,9 %

Quelle: BKA, PKS 2024, BU-F-01-T01. Bundeswerte, nicht Kreiswerte.

Zum Vergleich: Bei Gewaltkriminalität liegt die Aufklärungsquote bei 77,2 Prozent, weil Täter und Opfer sich häufig kennen. Bei Einbrüchen hingegen hinterlassen professionell vorgehende Tätergruppen selten verwertbare Spuren. Die Konsequenz für Hauseigentümer ist eindeutig: Die primäre Strategie muss Prävention sein, nicht Strafverfolgung.

Sachbeschädigung: Der blinde Fleck in der Sicherheitsdebatte

Während Einbrüche regelmäßig mediale Aufmerksamkeit erhalten, wird ein verwandtes Delikt kaum diskutiert: Sachbeschädigung. Mit 557.309 Fällen bundesweit ist sie eines der häufigsten Eigentumsdelikte überhaupt und trifft Hauseigentümer direkt.

Sachbeschädigung auf Kreisebene 2024: Die höchsten HZ weisen Koblenz (1.984,2), Weimar (1.657,3) und Gera (1.524,6) auf. Koblenz liegt in Rheinland-Pfalz. Die bundesweite Aufklärungsquote beträgt 24,5 %. Quellen: BKA, PKS 2024, KR-F-01-T01 und BU-F-01-T01, Schlüssel 674000.

Was die Zahlen bedeuten und was nicht

Kriminalstatistiken verführen zu schnellen Schlüssen. Einige wichtige Einordnungen:

  • Die PKS erfasst nur Hellfeld-Kriminalität, also Taten, die der Polizei bekannt wurden. Die PKS beziffert das Dunkelfeld nicht; nicht angezeigte Taten fehlen in dieser Statistik.
  • Hohe Fallzahlen in Großstädten sind zum Teil methodisch bedingt: Pendler, Touristen und Gewerbetreibende erhöhen die Opferzahl, ohne in der Einwohnerzahl zu erscheinen. Die HZ bleibt eine Kennzahl pro Einwohner und bildet keine individuelle Opferwahrscheinlichkeit ab.
  • Ein niedriger HZ-Wert bedeutet nicht, dass ein Einbruch dort unmöglich ist. Er beschreibt eine geringere Zahl registrierter Fälle je 100.000 Einwohner im betrachteten Jahr.
  • Das Anzeigeverhalten und polizeiliche Erfassungsbedingungen können Vergleiche beeinflussen. Eine hier nicht belegte Aufteilung nach Einkommen oder Region wird daraus nicht abgeleitet.

Statistiken zeigen Muster, keine Garantien. Wer sein Haus in Kaufbeuren nicht sichert, weil „dort kaum eingebrochen wird”, handelt fahrlässig.

Was bedeutet das für Hauseigentümer?

Die regionale Risikoanalyse ist ein sinnvoller Ausgangspunkt, aber kein Freifahrtschein. Unabhängig vom Wohnort gelten drei evidenzbasierte Grundsätze zur Einbruchsprävention:

  • Sichtbare Abschreckung wirkt: Alarmanlagen-Schilder, Bewegungsmelder und Kameras erhöhen das wahrgenommene Risiko für Einbrecher messbar.
  • Mechanische Sicherung ist Basisschutz: Einbruchhemmende Türen und Fenster (RC2/RC3) sind der effektivste Einzelschutz. Eine allgemeine Abbruchquote nach drei Minuten lässt sich aus der PKS nicht ableiten.
  • Elektronik ergänzt, ersetzt aber nicht: Alarmanlagen sind kein Ersatz für mechanischen Schutz, sondern eine zusätzliche Schicht, besonders wertvoll in Verbindung mit einer 24/7-Notrufzentrale.

Die interaktive Karte zur PKS 2024

Alle Daten aus diesem Artikel können Sie selbst erkunden:

  • 400 Landkreise und Städte auf der Karte
  • 41 Delikte auswählbar, von Einbruch bis Cybercrime
  • Bundeszeitreihen ab 1987 und Regionalreihen ab 2013; Jahrgang in der Karte auswählbar
  • Bundesländer-Vergleich und Ranking

▶ Zur interaktiven Kriminalstatistik: stadtritter.de/kriminalstatistik-deutschland/

Quellen & Methodik
Alle Zahlen stammen aus: Bundeskriminalamt (BKA), Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 (PKS 2024), insbesondere BU-F-01-T01 und KR-F-01-T01. Die Tabellen haben eigene Versionsstände und wurden teilweise nach der Erstveröffentlichung aktualisiert. Die Daten wurden aus den offiziellen XLSX-Tabellen (T01, Kreisdaten, Zeitreihen) direkt ausgewertet. Häufigkeitszahlen basieren auf Zensus 2022-Bevölkerungsdaten. Download der Originaldaten: bka.de

Diese Zahlen zitieren

Die Auswertung darf mit Quellenangabe und Link verwendet werden, etwa in Artikeln, Präsentationen, Mitteilungen von Verwaltungen oder Vereinen.

Quellenzeile: Einbruchstatistik Deutschland 2024, Stadtritter GmbH, auf Grundlage der Polizeilichen Kriminalstatistik 2024 des Bundeskriminalamts (PKS 2024). https://stadtritter.de/einbruchstatistik-deutschland-2024/

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