Wo wird am meisten eingebrochen? Deutschland-Analyse PKS 2024
Das Bundeskriminalamt hat die Zahlen veröffentlicht: 78.436 Wohnungseinbrüche wurden 2024 in Deutschland registriert. Das sind rund 600 mehr als im Vorjahr – der dritte Anstieg in Folge nach dem historischen Tiefstand 2021. Doch hinter der bundesweiten Gesamtzahl verbergen sich extreme regionale Unterschiede: Zwischen dem einbruchsreichsten und dem sichersten Landkreis liegt ein Faktor von fast 50.
Diese Analyse wertet die Rohdaten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS 2024) für alle 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte aus. Wir erklären, welche Regionen besonders betroffen sind, warum die Aufklärungsquote erschreckend niedrig ist – und was die Daten über den Zusammenhang zwischen Stadtstruktur und Einbruchrisiko verraten.
Zwischen dem einbruchsreichsten und dem sichersten Landkreis liegt ein Faktor von fast 50.
Der Trend: Drei Jahre Anstieg in Folge
Wer die Schlagzeilen der letzten Jahre verfolgt hat, kennt die gute Nachricht: Nach dem Rekordtief von 2021 mit nur 54.236 Einbrüchen schien das Problem beherrschbar. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass dieser Tiefstand vor allem der Corona-Pandemie geschuldet war – und der Effekt ist längst verpufft.
| Jahr | Wohnungseinbrüche | Veränderung | Besonderheit |
| 2015 | 167.136 | – | Höchststand der letzten Dekade |
| 2019 | 87.145 | −47,8 % ggü. 2015 | Vor Corona |
| 2020 | 75.023 | −13,9 % | Erster Lockdown |
| 2021 | 54.236 | −27,7 % | Historischer Tiefstand |
| 2022 | 65.908 | +21,5 % | Erster Anstieg nach Pandemie |
| 2023 | 77.819 | +18,1 % | Zweiter Anstieg |
| 2024 | 78.436 | +0,8 % | Dritter Anstieg in Folge |
Der Corona-Effekt erklärt sich einfach: Wenn Häuser und Wohnungen tagsüber bewohnt sind, wird Einbruch riskanter. 2020 und 2021 waren durch ausgedehnte Homeoffice-Phasen und Lockdowns geprägt – ideale Bedingungen für niedrige Einbruchszahlen. Mit der Normalisierung des Alltags ab 2022 kehrt auch das Einbruchgeschehen auf frühere Muster zurück.
Trotz des dreijährigen Anstiegs: Das Niveau von 2015 – damals über 167.000 Fälle – wird aktuell nicht annähernd erreicht. Die langfristige Entwicklung ist also nach wie vor positiv. Aber die Richtung stimmt bedenklich.
Das Ruhrgebiet als Einbruchs-Hotspot Nummer eins
Die Häufigkeitszahl (HZ) – also die Einbrüche pro 100.000 Einwohner – ist die entscheidende Kennzahl für regionalen Vergleich. Und sie zeigt ein klares Bild: Das Ruhrgebiet dominiert die Statistik nahezu vollständig.
| Rang | Kreis / Stadt | Bundesland | Fälle | HZ |
| 1 | Mülheim an der Ruhr | NRW | 562 | 325 |
| 2 | Bremerhaven | Bremen | 359 | 303 |
| 3 | Köln | NRW | 3.039 | 297 |
| 4 | Essen | NRW | 1.573 | 274 |
| 5 | Herne | NRW | 393 | 252 |
| 6 | Gelsenkirchen | NRW | 666 | 249 |
| 7 | Bochum | NRW | 870 | 244 |
| 8 | Berlin | Berlin | 8.529 | 233 |
| 9 | Düsseldorf | NRW | 1.428 | 232 |
| 10 | Duisburg | NRW | 1.128 | 224 |
Sieben der zehn Kreise mit der höchsten Einbruchs-HZ liegen in Nordrhein-Westfalen – fünf davon allein im Ruhrgebiet. Mülheim an der Ruhr führt mit einer HZ von 325 die bundesweite Liste an. Das bedeutet: Im Durchschnitt wurde dort jede 308. Person Einbruchsopfer.
Warum ist das Ruhrgebiet so stark betroffen?
- Hohe Bebauungsdichte: Viele Reihenhäuser und dicht besiedelte Wohngebiete bieten kürzere Fluchtwege
- Infrastruktur: Das dichte Autobahnnetz ermöglicht Tätergruppen schnelle An- und Abfahrt
- Soziale Faktoren: Städte mit höherer Arbeitslosigkeit zeigen statistisch erhöhte Einbruchraten
- Grenzlage: NRW grenzt an Belgien und die Niederlande – ein in Europa bekannter Zusammenhang
Bayern als sicherstes Bundesland – warum?
Das Gegenbild zum Ruhrgebiet findet sich fast ausschließlich in Bayern. Die fünf Kreise mit den bundesweit niedrigsten Einbruchsraten sind allesamt bayerisch – und die Unterschiede sind dramatisch.
🔴 Höchste Einbruchsrate (Mülheim/Ruhr)
HZ: 325
562 Fälle
Verdoppelt der Bundesdurchschnitt
Innerstädtische Ruhrgebietsstadt
🟢 Niedrigste Einbruchsrate (Kaufbeuren)
HZ: 6,5
Nur 3 Fälle
50× niedriger als Mülheim
Mittelstadt im Allgäu
Kaufbeuren, Oberallgäu, Ostallgäu, Straubing-Bogen, Bad Tölz-Wolfratshausen – alle unter HZ 11. Der Bundesdurchschnitt liegt bei rund 95. Das bedeutet: In diesen Kreisen ist das Einbruchrisiko etwa 10-mal niedriger als im Bundesdurchschnitt.
Entscheidende Faktoren für niedrige Einbruchsraten: Geringe Bebauungsdichte, starke lokale Sozialkontrolle in Kleinstädten und ländlichen Regionen, größere Abstände zwischen Häusern und damit höheres Entdeckungsrisiko für Einbrecher, sowie kürzere Reaktionszeiten der Polizei auf dem Land.
Tageswohnungseinbruch: Das unterschätzte Risiko
Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf den Tageswohnungseinbruch – also Einbrüche, die tagsüber stattfinden, wenn Bewohner eigentlich nicht zuhause sind. Von den 78.436 Wohnungseinbrüchen 2024 wurden 29.373 als Tageswohnungseinbrüche erfasst – das entspricht 37 Prozent aller Einbrüche.
37 % aller Einbrüche passieren tagsüber – wenn die Täter davon ausgehen, dass niemand zu Hause ist.
Der Tageswohnungseinbruch ist für Hauseigentümer besonders relevant, weil er durch sichtbare Sicherheitssignale – Bewegungsmelder, Alarmanlagen, Rollläden mit Zeitschaltung – besser abzuschrecken ist als nächtliche Einbrüche. Gerade in Hochrisikogebieten wie Essen (HZ 148), Mülheim (HZ 140) oder Bochum (HZ 129) macht der Tageswohnungseinbruch einen erheblichen Anteil des lokalen Einbruchgeschehens aus.
Aufklärungsquote: Nur 15 von 100 Einbrüchen werden gelöst
Die vielleicht ernüchterndste Zahl der PKS 2024 betrifft die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen: Lediglich 15,3 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt – und beim Tageswohnungseinbruch sind es sogar nur 16,9 Prozent.
| Delikt | Aufklärungsquote 2024 | Bedeutung |
| Straftaten insgesamt | 58,6 % | Bundesdurchschnitt |
| Gewaltkriminalität | 77,2 % | Hoch – oft Täter bekannt |
| Sachbeschädigung | 24,6 % | Unter Durchschnitt |
| Wohnungseinbruch | 15,3 % | Deutlich unter Schnitt |
| Tageswohnungseinbruch | 16,9 % | Minimal besser |
Zum Vergleich: Bei Gewaltkriminalität liegt die Aufklärungsquote bei 77,2 Prozent – weil Täter und Opfer sich häufig kennen. Bei Einbrüchen hingegen hinterlassen professionell vorgehende Tätergruppen selten verwertbare Spuren. Die Konsequenz für Hauseigentümer ist eindeutig: Die primäre Strategie muss Prävention sein, nicht Strafverfolgung.
Sachbeschädigung: Der blinde Fleck in der Sicherheitsdebatte
Während Einbrüche regelmäßig mediale Aufmerksamkeit erhalten, wird ein verwandtes Delikt kaum diskutiert: Sachbeschädigung. Mit 557.309 Fällen bundesweit ist sie eines der häufigsten Eigentumsdelikte überhaupt – und trifft Hauseigentümer direkt.
Besonders betroffen sind Städte in Ostdeutschland: Koblenz (HZ 1.984), Leipzig (HZ 1.325) und Berlin (HZ 1.284) führen die Statistik an. Die Aufklärungsquote liegt bundesweit bei nur 24,6 Prozent.
Was die Zahlen bedeuten – und was nicht
Kriminalstatistiken verführen zu schnellen Schlüssen. Einige wichtige Einordnungen:
- Die PKS erfasst nur Hellfeld-Kriminalität – also Taten, die der Polizei bekannt wurden. Das tatsächliche Dunkelfeld bei Einbrüchen liegt schätzungsweise 30–50 % höher.
- Hohe Fallzahlen in Großstädten sind zum Teil methodisch bedingt: Pendler, Touristen und Gewerbetreibende erhöhen die Opferzahl, ohne in der Einwohnerzahl zu erscheinen – die HZ ist dadurch tendenziell zu hoch.
- Ein niedriger HZ-Wert bedeutet nicht, dass ein Einbruch dort unmöglich ist. Er bedeutet, dass das statistische Risiko geringer ist.
- Regionale Unterschiede bei der Anzeigenerstattung verzerren die Statistik: In einkommensstärkeren Regionen werden Einbrüche häufiger angezeigt (wegen Versicherungserstattung).
Statistiken zeigen Muster, keine Garantien. Wer sein Haus in Kaufbeuren nicht sichert, weil „dort kaum eingebrochen wird”, handelt fahrlässig.
Was bedeutet das für Hauseigentümer?
Die regionale Risikoanalyse ist ein sinnvoller Ausgangspunkt – aber kein Freifahrtschein. Unabhängig vom Wohnort gelten drei evidenzbasierte Grundsätze zur Einbruchsprävention:
- Sichtbare Abschreckung wirkt: Alarmanlagen-Schilder, Bewegungsmelder und Kameras erhöhen das wahrgenommene Risiko für Einbrecher messbar.
- Mechanische Sicherung ist Basisschutz: Einbruchhemmende Türen und Fenster (RC2/RC3) sind der effektivste Einzelschutz – die meisten Einbrecher geben nach 3 Minuten auf.
- Elektronik ergänzt, ersetzt aber nicht: Alarmanlagen sind kein Ersatz für mechanischen Schutz, sondern eine zusätzliche Schicht – besonders wertvoll in Verbindung mit einer 24/7-Notrufzentrale.
Die interaktive Karte zur PKS 2024
Alle Daten aus diesem Artikel können Sie selbst erkunden:
- 400 Landkreise und Städte auf der Karte
- 41 Delikte auswählbar – von Einbruch bis Cybercrime
- Zeitreihen von 2000 bis 2023
- Bundesländer-Vergleich und Ranking
▶ Zur interaktiven Kriminalstatistik: stadtritter.de/kriminalstatistik-deutschland/
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